Neue Sounds mit Thru-Zero Oszillatoren und dualem Signalweg
Mit Lifeforms SV-2 präsentiert Pittsburgh Modular einen semi-modularen Analog Synthesizer, der sein volles Potenzial mit Verwendung der Patch-Buchsen eröffnet. Das Instrument ist monophon, paraphon oder 2-stimmig polyphon spielbar, übersichtlich strukturiert und richtet sich mit seiner Architektur gleichermaßen an Anfänger und Profis. Sämtliche Steuerspannungsein- und ausgänge sind Eurorack-kompatibel. Natürlich funktioniert Lifeforms SV-2 auch ohne eingesteckte Patchkabel, die blauen Beschriftungen an einigen Reglern weisen auf Vorverdrahtungen (normalisierte Signalwege) hin, die erst durch Patchen anderweitig Verwendung finden. Trotz einer gewissen Ähnlichkeit zum Taiga Synthesizer weißt der Lifeforms SV-2 zahlreiche Merkmale auf, die ihn zu einem absolut eigenständig klingenden Synthesizer machen.
Analoge Klangerzeugung mit besonders organischem Charakter
Bei den beiden analogen Oszillatoren handelt es sich um neu aufgebaute Thru-Zero Triangle-Core Oszillatoren mit weitreichenden Einstellmöglichkeiten. Das Wellenform-Angebot deckt Pulse Symmetry, Blade, Sinus, Dreieck, Sägezahn und Zufalls-Wellenformen ab. Dazu kommt noch Thru-Zero FM, Phase Modulation, Linear FM und Hard Sync. Abgesehen von Control- und Modulationsoptionen sind die beiden VCOs identisch aufgebaut. Zu Oszillator 1 gehört ein Suboszillator, der dem Tuning des Oszillators mit -1 und -2 Oktaven folgt. Allein diese Kombination ist ein Garant für massive Basslines und gut unterlegte Lead-Sounds. Da sämtliche Signalwege normalisiert sind liegen die Oszillatoren 1 und 2, der Suboszillator mit -1 Oktave und der Rauschgenerator gemeinsam am Mixer an.
Teil des Mixers ist ein Preamp für externe Audiosignale mit Line-Pegel. Dieser arbeitet mit High Gain und vermag zugeführte Signale ordentlich anzubraten bevor sie mit den klangformenden Elementen von Lifeforms SV-2 bearbeitet werden und so ganz neue Klangwelten eröffnen. Die Signale von Mixer und Preamp können separat abgegriffen werden.
Bei den Filtern hat Pittsburgh sich etwas besonders einfallen lassen. Die Multimode Filter mit Lowpass-, Bandpass-, Highpass-Charakteristik mitsamt diverser Kombinationen bieten den vielfach gelobten, butterweichen und organischen Sound seiner hauseigenen Vorgänger zuzüglich den neuen Character und Drive Modi. Der variable Overdrive bietet eine Verstärkung von bis zu dem 5-fachen bzw. 15 dB; das macht sich nicht nur im Pegel bemerkbar sondern vor allem in der harmonischen Sättigung und im Resonanzverhalten. Der Character-Mode geht einen ganz eigenen Weg: der Warped Character-Modus verändert die Form einer Wellenform, ohne den harmonischen Gehalt zu verändern. Spezieller wird es im Warped & Rectified-Modus; dieser verändert die Form einer Wellenform zusätzlich, indem er die verzerrte Welle in zwei Hälften teilt und sie auf der Grundlage der verbleibenden Welle neu aufbaut. Dies hat bei jeder Wellenform einen ganz unterschiedlichen Effekt. Auf jedes Filter folgt ein klassischer VCA zur finalen Pegelkontrolle durch eine Hüllkurve oder einer anderen Spannungsquelle.
Das letzte Element im Signalweg ist ein analoger Federhall-Effekt mit Tilt-EQ und regelbaren Feedback. Charakteristisch für einen Federhall ist der scheppernde, metallische Klang, wie man ihn seit den 60er Jahren kennt und schätzt. Das eingespeiste Audiosignal kann von hintergründig und düster bis mittig betonend mit viel Vintage-Flair eingestellt werden.
Bei all den Möglichkeiten wirkt es fast so, als kämen die Modulationsquellen zu kurz. Zwei flinke ADSR Hüllkurven, eine offene Sample & Hold Schaltung und zwei spannungssteuerbare LFOs mit Dreieck, Rechteck und Rampe Wellenformen und weitem Frequenzbereich fallen dem Betrachter direkt ins Auge. Behält man im Hinterkopf das die beiden Oszillatoren und das MIDI Interface ebenfalls Modulationsquellen sind und weitere halbmodulare Synthesizer und/oder ein Eurorack-Modularsystem problemlos eingebunden werden können dann stehen alle Türen zur Klangforschung offen.

Parameterkontrolle bis ins kleinste Detail
Das MIDI Interface des Lifeforms SV-2 ist für diese Geräteklasse erfreulich umfangreich ausgestattet. Standards wie ein zuweisbarer MIDI-Kanal und Transponierung finden sich hier ebenso wie ein gut ausgestatteter, taktsynchroner Arpeggiator und sogar ein digitaler Modulator mit taktsynchronem LFO, Decay Hüllkurve und Zufallsspannungsgenerator. Natürlich ist auch das MIDI-Interface mit Teilen der Klangerzeugung vorverdrahtet. Die Oszillatoren können beispielsweise vom Tracking abgekoppelt werden. Möchte man anstelle einer normalisierten Modulationsquelle lieber mit Velocity oder Modulationsrad einen Parameter modulieren ist dazu nicht mehr nötig als ein Kabel einzustecken. Die Stimmenarchitektur ermöglicht auf Tastendruck monophones oder paraphones Spiel, verwendet man das Patchpanel ist auch 2-stimmig polyphones Spiel möglich.
Das Patchpanel
Das Patchpanel mit insgesamt 84 Buchsen benötigt dreiviertel der gesamten Bedienoberfläche. Jede Funktion verfügt über (mehrere) Ein- und Ausgängen für Audio-, CV-, Gate-, Trigger- und Clock-Signale. Oft reichen schon zwei bis drei Kabel aus, um das Klanggeschehen komplett auf den Kopf zu stellen. Verbindet man einen beliebigen Oszillatorausgang mit dem FM-Eingang des anderen Oszillators erhält man Crossmodulation, was sich u.a. für metallische Sounds anbietet. Führt das Kabel anstelle zu einem Oszillator ins Filter, ist das Ergebnis Filter FM, was zu den extremsten Modulationen gehören dürfte. Spannend wird es ebenso, wenn der VCA durch einen Oszillator im Audiobereich moduliert wird, was Amplitudenmodulation bzw. Seitenbandmodulation erzeugt. Da das MIDI-CV/Gate Interface ebenso Steuerspannungen ausgibt, ließe sich beispielweise auch das Filter mit Keytracking spielen, während die Wellenform von Oszillator 2 mit Velocity animiert wird. Diese Beispiele decken nur einen kleinen Teil dessen ab, wozu Lifeforms SV-2 allein schon fähig ist.

Einbauslot für Eurorack Module
Ganz rechts auf dem Bedienfeld ist auf den ersten Blick jede Menge freier Platz. Löst man die vier Schrauben verbirgt sich darunter ein 24 TE breiter Slot mit entsprechender Stromversorgung für Eurorack Module. Hier können Sie z.B. einen Funktionsgenerator, einen dritten Oszillator, einen X/Y Touchcontroller, einen Sequenzer, oder was auch immer Sie benötigen, einbauen.

Pittsburgh Lifeforms SV-2