Auf der Bühne gelingt eine überzeugende Performance meist nur mit ausreichend Bewegungsfreiheit. Wer möchte schon „an der Leine“ tanzen, singen oder das Solo auf dem Laufsteg einer Arena-Bühne mitten im Publikum spielen? Für die drahtlose Übertragung braucht es daher eine Sendeanlage bzw. Funkstrecke. Hier erhalten Sie einen Überblick über gängige Ausführungen sowie praxisnahe Hinweise, worauf es beim Kauf wirklich ankommt.
Drahtlose Mikrofone werden nicht nur auf großen Bühnen genutzt. Auch bei Präsentationen, Interviews, Familienfeiern oder Moderationen sind keine störenden Kabel im Weg – besonders dann, wenn das Mikrofon weitergereicht wird. Wie andere Funkstrecken besteht auch ein Handsender-System aus Sender und Empfänger, die das Signal kabellos übertragen.
Wichtig sind eine stabile Übertragung, eine passende Frequenzwahl und eine zuverlässige Batterie-/Akkustandsanzeige, um unerwartete Ausfälle zu vermeiden. Moderne Systeme können den anmeldefreien Frequenzbereich nach möglichst störungsarmen Kanälen scannen. Bei Nichtbenutzung empfiehlt es sich, den Sender (Handmikrofon) auszuschalten, um die Laufzeit zu verlängern. Empfänger sind bei mehreren Funkstrecken häufig in ein 19"-Rack integriert; die Anschlüsse zum Mischpult befinden sich meist rückseitig.
Kompaktes Handsender-Set für Sprache und Gesang: AKG WMS 40 Mini Vocal / ISM 1.
Anmeldefreie und anmeldepflichtige Frequenzen in Deutschland
In Deutschland ist geregelt, welche Frequenzbänder anmeldefrei bzw. anmeldepflichtig sind. Auch wenn Hersteller ihre Systeme entsprechend auslegen, lohnt sich eine kurze Prüfung vorab – insbesondere bei älteren Anlagen (vor 2016), deren Bereiche inzwischen teilweise für LTE- oder DVB-T-Dienste reserviert sind. Auf anmeldefreien Frequenzen ist das Risiko von Störungen grundsätzlich höher als bei zugeteilten Bereichen. Ein System, das beide Varianten unterstützt, kann daher sinnvoll sein. Die Anmeldung erfolgt bei der Bundesnetzagentur und ist mit Gebühren sowie jährlichen Kosten pro Sender verbunden. Details finden Sie auf der Website der Bundesnetzagentur.
Bei Headset-Systemen ist der Sender nicht als Handmikrofon ausgeführt, sondern mit einem Mikrofon verbunden, das über einen Haltebügel am Kopf sitzt. Achten Sie beim Kauf darauf, dass der Bügel zur Kopfgröße passt und auch bei längerer Nutzung bequem bleibt. Der Taschensender wird meist am Gürtel getragen oder in einer Tasche verstaut.
Headset-Systeme kommen überall dort zum Einsatz, wo maximale Bewegungsfreiheit gefragt ist – etwa im Fitnessstudio, bei Vorträgen, im Theater oder bei Musical-Darbietungen.
Headset-Funksystem für volle Bewegungsfreiheit: AKG WMS 40 Mini Earmic Set.
Lavalier-Systeme (Ansteckmikrofone) werden eingesetzt, wenn es primär um die Sprachübertragung geht, aber aus optischen Gründen weder Handmikrofone noch Headsets gewünscht sind. Auch hier gibt es einen externen Sender, der per Kabel mit dem Mikrofon verbunden ist.
Lavalier-Mikrofone sind etwa im TV- und Bühnenbereich beliebt, da sie Gestik und Bewegungen kaum einschränken und sehr unauffällig getragen werden können.
Für Präsentation und Moderation: AKG PW 45 Presenter Set (Taschensender + Empfänger + Lavalier).
Was für Sängerinnen und Sänger gilt, ist auch für Instrumentalistinnen und Instrumentalisten ein großer Vorteil: Gerade auf größeren Bühnen möchten viele Musikerinnen und Musiker beim Solo nach vorne oder sich frei bewegen. Entsprechend gibt es Instrumental-Systeme, die den Klang eines Instrumentenkabels simulieren oder deren Empfänger sich auf einem Pedalboard integrieren lassen – teils inklusive Tuner. Für Instrumente mit Klinkenbuchse sind außerdem kompakte Sender erhältlich, die direkt eingesteckt werden.
In-Ear-Monitoring
Auch für In-Ear-Monitoring werden Funkstrecken genutzt – allerdings in umgekehrter Richtung: Das Signal wird vom Mischpult zum Musiker gesendet. Entsprechend trägt der Musiker statt eines Senders einen Empfänger. In der Praxis kommt es daher häufig vor, dass Musiker gleichzeitig einen Sender (für ihr Instrument/Mikrofon) und einen Empfänger (für In-Ear) am Gürtel nutzen.
Neben der Bauart ist vor allem entscheidend, welchen Frequenzbereich die Sendeanlage nutzt. Während im Hobbybereich häufig anmeldefreie Bereiche gewählt werden, greifen professionelle Produktionen beim Touring in der Regel auf zugeteilte Frequenzen zurück – insbesondere dann, wenn viele Funkstrecken parallel betrieben werden. Wer international unterwegs ist, sollte sich vorab über nationale Regelungen informieren.
Weitere wichtige Kriterien sind die Reichweite (je nach System bis etwa 100 Meter) sowie Akku-/Batterieeigenschaften: Neben der Laufzeit spielt auch die Ladedauer eine Rolle, damit zum Showbeginn alle Funkstrecken zuverlässig einsatzbereit sind.
Ein Frequenzband bezeichnet einen definierten Frequenzbereich im Spektrum der Funkfrequenzen. Für jedes Band sind eine untere und eine obere Grenzfrequenz festgelegt.
Anmeldefrei (privat): 174–230 MHz, 823–832 MHz, 863–865 MHz, 1785–1805 MHz, 1880–1900 MHz, 2,4 GHz
Anmeldefrei (professionell): 470–608 MHz, 614–703 MHz, 733–758 MHz
Zuteilungs- und anmeldepflichtig: 1492–1525 MHz (nur in geschlossenen Räumen)
Die Bereiche 703–733 MHz und 758–788 MHz werden seit dem 3. März 2015 nicht mehr für Funkmikrofone zugeteilt. Die LTE-Download-Blöcke (758–788 und 791–821 MHz) werden seit Anfang 2020 ebenfalls nicht mehr für Funkmikrofone vergeben.
VHF („Very High Frequency“, früher auch „Ultrakurzwelle“) umfasst 30–300 MHz. In der Veranstaltungstechnik ist insbesondere der Bereich 174–230 MHz relevant. VHF-Systeme bis 50 mW sind nach aktueller Regelung bis Ende 2025 allgemein zugeteilt und können anmeldefrei mobil genutzt werden.
UHF („Ultra High Frequency“) reicht von ca. 300 MHz bis 3 GHz.
Innerhalb der EU ist insbesondere der Bereich 863–865 MHz anmeldefrei freigegeben und wird häufig für einfache Funkanwendungen genutzt.
Wenn viele Funkstrecken parallel betrieben werden (z. B. bei größeren Produktionen), bieten zugeteilte Bereiche in der Praxis oft eine höhere Planungssicherheit und weniger Störpotenzial als anmeldefreie Bereiche.
Entscheidend sind Funkstandard/Frequenzbereich, Scan-/Sync-Funktionen, Antennen- und Empfangskonzept sowie die Umgebung (viele Funknutzer, WLAN/2,4 GHz, bauliche Abschattungen). Für kritische Anwendungen empfiehlt sich ein System mit verlässlicher Kanalplanung.
Das hängt vom Frequenzbereich, der Bandbreite der Systeme und der Umgebung ab. Professionelle Systeme unterstützen in geeigneten UHF-Bereichen deutlich mehr parallele Kanäle als einfache Einsteigerlösungen.
Im Live-Betrieb sind häufig XLR und Klinke relevant. Achten Sie außerdem auf Pegeloptionen (Mic/Line), stabile Rack-Montage und gut ablesbare Statusanzeigen (RF/AF, Batterie, Kanal).
Eine zuverlässige Laufzeit mit klarer Anzeige ist essenziell. Ebenso wichtig ist eine realistische Ladezeit, damit Sender vor Showbeginn sicher einsatzbereit sind. Für längere Einsätze sind Ersatzakkus/Batterien und ein definierter Wechselplan empfehlenswert.