Fame Custom LP RW NatureNach Jahren mit Strats und Superstrats wurde es für mich mal Zeit für eine klassische Singlecut. Der Auslöser? Ich hatte bei einem Konzert in Spanien eine Leih-Paula in den Fingern und bin auf den Geschmack gekommen. Außerdem brauchte ich dringend ein verlässliches Workhorse ohne Tremolo oder Floyd Rose, da bei mir in letzter Zeit live oft Tunings on the fly gewechselt werden müssen.
Kurz zu mir: Ich stehe seit über 20 Jahren als Live- und Studiomusiker auf der Bühne. Von Kölsch-Rock bis Metalcore war da schon alles dabei. Ich weiß also ziemlich genau, was mein Equipment im Alltag abkönnen muss.
Im Store ist mir die rote Fire Dragon von Fame sofort ins Auge gesprungen. Auf den ersten Blick erinnert das Design an den „Private Stock“ eines bekannten US-Edelherstellers. Und nein, das auf dem Griffbrett ist kein billiger Aufkleber, sondern ein echtes Inlay aus Perlmutt und Holz. Optisch natürlich Geschmackssache... aber handwerklich ein absolutes „Wow!“.
Beim Blick aufs Preisschild hatte ich dann allerdings mehr Fragen als Antworten: Unter 1000€? Wie soll das gehen? Die Skepsis war da, die Neugier aber größer. Das Ding wurde eingepackt.
Inzwischen hat die Gitarre zwei Monate, den ersten Live-Einsatz, diverse Videodrehs und jede Menge intensives Songwriting im Studio hinter sich. Mein ehrliches Fazit:
Verarbeitung: Das massive Griffbrett-Inlay ist auch beim Serienmodell absolut sauber verarbeitet. Generell ist die Fertigungsqualität tadellos – das kenne ich von den ganz großen, teuren Traditionsmarken in letzter Zeit leider oft anders.
Setup & Bespielbarkeit: Out of the box war die Gitarre verdammt gut eingestellt. Die Bespielbarkeit ist absolut genial, der Hals liegt super in der Hand.
Hardware & Ergonomie: Die Locking Tuner laufen butterweich, halten die Stimmung und wirken wertig. Großer Pluspunkt gegenüber dem historischen Vorbild: Der geshapete Neckjoint (Hals-Korpus-Übergang) und der Belly-Cut (Bauchfräsung) machen das Instrument deutlich ergonomischer.
Sound & Bünde: Die PAF-Style Tonabnehmer liefern einen klasse Sound und sind sauber gewickelt (absolut nicht mikrofonisch, auch nicht bei High-Gain). Die Stainless-Steel-Bünde erlauben butterweiche Bendings...
Gut zu wissen (Geschmackssache):
...die Bünde haben durch das Material so gut wie keine Reibungsgeräusche. Das muss man mögen, oder lebt damit.
Die Gitarre liegt definitiv auf der schwereren Seite. Die „Massive-Tonholz-Fraktion“ wird es feiern.
Das Griffbrett hat noch ordentlich Industriestaub von der Herstellung. Bei der ersten Probe war meine Greifhand schwarz.
Der einzige Haken:
Kein Coil-Split ab Werk. Aber Hand aufs Herz: Braucht eine klassische Paula das wirklich zwingend?
Mein Fazit
Die Fame Custom LP ist nicht nur ein brutaler Eyecatcher, sie liefert im harten Musikeralltag kompromisslos ab. Beim schnellen Abbau nach dem letzten Gig hat die Kopfplatte schon die ersten unschönen Bekanntschaften mit dem Drumset und Bühnentraversen gemacht... die Dings und Dongs steckt das Teil aber locker weg. Bei manch anderem Hersteller mit empfindlichen Headstocks hätte ich mir an der Stelle deutlich mehr Sorgen gemacht.
Für den Kurs ein absoluter No-Brainer.