
Mit drumDING präsentiert Vermona einen hybriden Drumcomputer mit samplebasierter und analoger Klangerzeugung. Vermona hat mit elektronischen Drums bereits jede Menge Erfahrung gesammelt. Den Anfang machte 1975 die ER-9, 1987 folgte die DRM welche auch als Ostblock 808 bekannt wurde und seit dem Millenium verschiedene DRM1-Version. drumDING ist genaugenommen Vermona’s erster großer Drumcomputer seit den 80er Jahren!
Das Konzept von drumDING sieht vor, das man mit der analogen Drum Voice alle Sounds die man benötigt erzeugt, mit der Sample-Engine direkt absampelt und im Pattern einsetzt. Doch damit nicht genug, man kann auch eigene Samples reinladen und mit den Parametern und Effekten weitreichend bearbeiten.
Das Instrument ist logisch durchdacht und folgt Mustern. Es gibt nur wenige Shift-Funktion da das meiste nur einen (Doppel)klick entfernt ist oder auf der nächsten Menüseite liegt. Hierzu zählt auch die Speicherstruktur: insgesamt sind 64 Projekte speicherbar, jedes Projekt enthält 64 Pattern und 32 Samples. Innerhalb der Pattern hat man Zugriff auf 6 Sequenzer-Spuren, mit denen man die Samples arrangiert. Die Spuren lassen sich in gewohnter TR-Manier mitsamt Parameterlocks live programmieren. Dank moderner Prozessoren und stabilen MIDI-Timing gibt es kaum eine Situation, für die man den Sequenzer stoppen müsste.
Wie jedes Gerät von Vermona ist auch drumDING „Made in Germany“. Die Verarbeitungsqualität und die der verwendeten Bauteile kann sich sehen und vor allem hören lassen! Schöne Details wie die farblichen Abstufungen der Funktionsbereiche vollenden den insgesamt sehr wertigen Eindruck.

Die Analog Voice beansprucht den oberen Teil des Bedienpanels für sich. Den Anfang im Signalweg macht der analoge Oszillator mit überblendbarer Wellenform (Sinus zu Rechteck) und zwei Frequenzbereichen, der mit einer Bend/Time Hüllkurve moduliert wird. Es folgt ein State Variable Filter mit zwei Filtergüten, mit dem man stufenlos von Lowpass über Bandpass zu Highpass überblenden kann. Eine zweite Bend/Time Hüllkurve moduliert den Cutoff-Parameter. Zwischen Oszillator und Filter befindet sich der Modulator, hierbei handelt es sich um einen schnellen LFO mit Sinus-Wellenform und Trigger-Reset, der wahlweise Pitch oder Cutoff moduliert. Der Frequenzbereich ist sehr gut skaliert und reicht von Wobble-artigen Sounds bis hin zu typischen FM-Klängen.
Den Abschluss im analogen Signalweg bildet die Mixer-Sektion mit Click, Noise, VCO und Aux In. Für jede dieser vier Quellen entscheidet man per Reglerposition, ob das Signal ins Filter oder direkt in den VCA geschickt wird. Click beinhaltet verschiedene Attack-Signale und „Geklapper“; letzteres braucht man, um analoge Claps zu erzeugen. Der Rauschgenerator ist zwischen rosa und blauem Rauschen umschaltbar und teilt sich mit Click eine gemeinsame Decay-Hüllkurve. Der Aux Eingang ist nicht zu unterschätzen, speist man z.B. einen Drone-Synthesizer ein, kann man dessen Signal zusätzlich filtern und als Sample aufnehmen. Alle vier Signalquellen passieren letztendlich den VCA, der ebenfalls über eine eigene Decay Hüllkurve verfügt.
Alle Parameter sind extrem gut skaliert und erlauben einen weiten wie auch präzisen Regelbereich. Die Analog Voice erzeugt ein breites Spektrum verschiedenster Bassdrums, Toms, Snares, Elektro-Zaps, FM-artiges, atonale Klänge, Piu, Whoop, Glocken, Wobbels, Claps, HiHats und alles mögliche, was man sich an elektronischen Percussion Sounds nur wünschen könnte.

Der zweite Teil der hybriden Klangerzeugung von drumDING ist ganz den Samples gewidmet. Je Projekt lassen sich 32 Samples abspeichern. Die Samples erzeugt man hauptsächlich mit der Analog Voice. Speicherplatz auswählen, SAMPLE+1-6 drücken, fertig! Benötigt man einen kurzen Chord Sound oder eine Clap von den Roland Klassikern kann man sich das kurzerhand mit der SD-Karte passend einrichten.
Jede der sechs Sample-Spuren verfügt über eine AHD Hüllkurve für die Lautstärke und einen weiten Pitch-Bereich von +/- vier Oktaven. Damit realisiert man kleine Korrekturen in der Tonhöhe eines Samples oder erzeugt bewusst diese typischen Transponierartefakte, die sich gleichzeitig auch auf die Abspielzeit auswirken. An Effekten gibt es als Send-FX zwei Delays mit BPM Sync und Reverb. Pro Spur kann man Distortion, Bitcrush und Amplituden Modulation einstellen. Additiv zu den Parameterlocks im Sequenzer bietet jede Sample-Spur einen LFO mit BPM Sync und Velocity als Modulationsquelle. Der LFO kann zwei Zielen zugleich und Velocity einem Ziel zugewiesen werden. Damit kann man z.B. gepitchte Walking-Bassdrums oder zyklisch einblendenden Reverb-Mix realisieren.
drumDING’s Sequenzer ist ein Traum was logische Bedienung und kurzer Weg zum Ziel betrifft. Je Projekt hat man Zugriff auf bis zu 64 Pattern, die eine Schrittlänge von bis zu 64 Schritten (4 Takten) haben können. Ein Pattern umfasst die 6 Spuren bestehend aus den 6 Sample Spuren und die Einstellungen für Swing/Shuffle. Für jede Sample-Spur kann man die Schrittlänge von 1-64 Steps festlegen, wodurch auch Polyrhythmik umsetzbar ist. Zusätzlich kann man je Step Parameterlocks, Reverse Play, Microtiming, Trigger-Wahrscheinlichkeit, Ratcheting und Velocity Fade In/Out programmieren. Pattern die auf den 16 Steptasten nebeneinanderliegen kann man direkt verknüpfen. Komplexere Pattern-Verknüpfungen realisiert man mit dem Chain Mode. Wer schon mit etwas komplexeren Drumcomputern der letzten 25 Jahre gearbeitet hat, wird mit drumDING schnell zurechtkommen.


Die Rückseite von drumDING glänzt mit sieben Einzelausgängen für Sampel-Spuren und die Analog Voice sowie einem Stereo Ausgang. Alle Audioausgänge liefern einen guten Line Level. Der leistungsstarke Kopfhörerausgang ist separat regelbar. Der Audioeingang ist Mono ausgeführt und wird über den Aux in Regler in den Signalweg eingebunden. MIDI In und Out ist natürlich auch vorhanden. Der USB-Anschluss ist für MIDI und Datenaustausch mit dem Computer vorgesehen. Darüber hinaus gibt einen Trigger Ausgang und einen Control Eingang, die beide über das System-Menü zuweisbar sind.


Vermona drumDING